Adolf Clemens

Bildjournalist

Dreidimensionale Kindheitserinnerungen

Fotografische Momente in Holz gestaltet

dreidimensionale Kindheitserinnerung

Der jährliche Geldumsatz für Weihnachtsgeschenke hat mich jahrelang irritiert und genervt. Schöne und sinnvolle Geschenkideen wurden zur Mangelware. Dennoch wuchs der Geschenkeetat Jahr um Jahr .

Im Herbst 1982 fasste ich den Entschluss, für Geschenke kein Geld mehr auszugeben. Ich bat meine Familie, mir keine Geschenke mehr zu kaufen. Unseren Kindern machte ich den Vorschlag, vielleicht auch kleine Geschenke selbst herzustellen.

Als Junge habe ich intensiv Modellbau betrieben und zu dem Material Holz ein gutes Verhältnis. Daran habe ich mich erinnert. Im Dezember 1982 fing ich dann an, kleinere Dinge zu schnitzen. Ein Pferd für unsere Tochter, sie war Pferdenärrin. Einen Fußballer für unseren fußballbegeisterten Sohn. Eine Ente mit zwei Kleinen auf dem Rücken für meine Frau. In den folgenden Jahren kamen einzelne Figuren hinzu: Magd, Bäuerin, Dorfpolizist...

Auf der Suche nach Themen stellte ich sehr schnell fest, dass ich mich in meine eigene Kindheit zurückversetzte. Die Nachkriegswirren hatten es mit sich gebracht, dass ich im Münsterland groß wurde. In meiner weiteren Schnitzarbeit widmete ich mich mehr und mehr konkreten Personen, Situationen und Erlebnissen, die ich als Kind erfahren habe. Als die ersten Arbeiten gefertigt waren, wurde mir klar, dass ich jede weitere Schnitzidee unter das Thema "Dreidimensionale Kindheitserinnerungen" stellen würde. Ab diesem Zeitpunkt setzte ich mich vollkommen fokussiert mit dem Münsterland und den Münsterländern aus verschiedenen Perspektiven auseinander.

Bildergalerie

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Ein 16-jähriges Mädchen hat ihre Puppe und Wiege aus Kindertagen hervorgeholt. Ihre kleine Schwester ruft sie zum Essen und wundert sich.
Dorf- und Bauernjungen versuchen, einen jungen Greifvogel zu fassen, der einen Flügel angebrochen hat.
Ein Kötter hat einen Hahn, eine Henne und zwei Junghühner. Diese hat er zum Fressen angelockt. Dem Lockrufen ist auch ein Zwerghahn aus der Nachbarschaft gefolgt. Von einem der Junghühner wird er attackiert.
Ein Junge schlägt einen Reifen, der fast eine Frau trifft. Sie ist nach einem Einkauf auf dem Heimweg und bleibt etwas erschrocken stehen. Der Junge links beobachtet die Szene und ist über den kleinen Fast-Unfall ebenfalls erschrocken. Der Junge rechts ist in Gedanken versunken und mit sich selbst beschäftigt. Das ledige Fräulein ist im Dorf dafür bekannt, Jungens gerne nachzuschauen.
Schwarzschlachten auf einem Bauernhof um 1947 (links) und "Westfälische Niedertracht" - schwangere Magd und trächtige Sau (rechts).

Ein "latinschchen Bur" (ein Bauer, der studiert hat) unterhält sich mit einem älteren Bauern aus der Nachbarschaft
"Sommervergnügen" - Kinder plantschen in einer Zinkwanne. Der Vater bringt in Eimern Wasser.
Bauer und Altknecht trinken auf den Wochenendfeierabend.
Links: Eine Frau mit Tochter, aber ohne Ehemann (ein münsterländer Sakrileg). Sie streicht ihre Haare und versucht, mit nahe stehenden jungen Männern anzubandeln. Das Mädchen spricht mit seiner Puppe, einem "münsterländer Voodoo". Derweil unterhalten sich  zwei Bauern über die gute alte Zeit. Ein Bauer sieht die Gegenwart skeptisch, der andere will sich nur noch erinnern.
Altmagd beim Waschen von Milchkannen.

Münsterländer Adam und Eva
Ein Bauernmädchen hat sich zurückgezogen und liest versunken in einem Buch.
Zwei Bauern spielen mit einem Viehhändler Doppelkopf. Weil ein dritter Bauer ausfiel, hatte ein "Öhm an de Mür" (unverheirateter Bruder eines Bauern) die Gelegenheit, mitspielen zu dürfen.
"Wintertag im Münsterland". Eine vor sich hin nörgelnde Altbäuerin strickt. Der Altbauer raucht sein Pfeifchen und tippt mit dem rechten Fuß den Takt zur Nörgelei seiner Frau.
"Erinnerung an den Frühling". Das alte Ehepaar wärmt sich in den ersten Sonnenstrahlen, eine Frau gräbt in ihrem Garten den Boden um, eine "Juffersche" (unverheiratete Frau) - unterwegs zum Einkaufen - schwätzt.

Es entstanden Schilderungen in Holz wie:

Mit der Zeit wurden die Arbeiten immer aufwändiger, mit sehr viel Liebe in der Ausarbeitung von Details. Mitgebrachtes Holz aus aller Welt mischt sich ein in Münsterländer Themen. Inzwischen sind rund 220 Figuren entstanden (Stand November 2010), die in kleineren und größeren Ensembles Geschichten erzählen. Sie drohen langsam, unseren privaten Haushalt räumlich zu sprengen...

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